{DIY} LANGLAUFSKI PRÄPARIEREN TEIL I

Auch wenn die Langlaufloipen im Goms dank grossem Einsatz der Verantwortlichen seit Tagen in tadellosem Zustand sind, die Feriengäste vor Freude strahlen und das sonnige Wetter genossen haben, mich hat es bis gestern nicht auf die Latten gelockt.  Die kommenden Tage sollen nun endlich den lang ersehnten Schnee bringen und ich freue mich, auf weitere Trainings im Schnee. Ehe es wieder soweit ist, müssen die Langlaufski neu präpariert werden. In meiner Mini-Serie möchte ich das Thema {DIY} LANGLAUFSKI PRÄPARIEREN  genauer beleuchten. Ich freue mich, wenn ihr dabei seid!

langlaufloipe 2

Das Wachsen der Langlaufski funktioniert in etwa nach dem selben Prinzip wie das von Alpinskiern. Bevor wir loslegen, sollten wir einige wichtige Dinge zum Thema Schneebeschaffenheit beachten. Neuschnee unterscheidet sich in seiner Art klar von Altschnee, Nassschnee oder gar Kunstschnee. Äussere Einflüsse wie Wind, Sonne, Wolken, Temperatur, etc. rufen ständige Veränderungen hervor.

# 1 Schneearten und ihre Merkmale

Neuschnee

  • Grosse Reibung an der Belagsoberfläche durch Spitzen und Kanten der Schneekristalle
  • Temperaturen um 0 Grad lassen die Kristalle ihre ursprüngliche Form verlieren
  • Halbabgebaute Schneekristalle bewirken eine grosse Kontaktfläche zwischen Ski und Schnee
  • Bremsende Reibungen entstehen

Altschnee

  •  48 Stunden liegender Schnee ist bereits Altschnee
  • Er weist grosse und kleine Schneekristalle auf
  • Kleine Kristalle haben eine grössere Dichte und bieten eine grössere Kontaktfläche mit höherer Reibung
  • Altschneekristalle sind runder als Neuschneekristalle und dadurch weniger abriebstark

Kunstschnee

  • Die Schneekristalle gefrieren im Gegensatz zum Naturschnee von aussen nach innen
  • Frische Kristalle sind oft noch nicht durch gefroren. Gefrieren sie fertig, brechen sie auseinander und bilden scharfe Kanten
  • Kunstschneekristalle sind rund 10-mal kleiner als Naturschneekristalle
  • Auf den Pisten wird darum in kurzer Zeit eine höhere Dichte erreicht
  • Hohe Dichte bedeutet grosse Kontaktfläche – und in Kombination mit scharfen Kristallformen eine hohe Reibung.

Damit die Skier optimal gleiten, muss die Wachsmischung perfekt auf die jeweiligen Verhältnisse abgestimmt sein.

# 2 Wachswahl und Auswahlfaktoren

Wachsprofis verlassen sich auf viele Jahre Erfahrung, wenn es darum geht die Langlaufskis ihrer Schützlinge zu präparieren. Sie lesen die Schneeparameter wie ein Buch. Es ist für sie ein Leichtes Schneeart, Luftfeuchtigkeit, Streckenprofil, Wettervorhersagen und Schneetemperatur zu bestimmen und genau darauf abgestimmt das richtige Wachs zu wählen. Skier richtig zu wachsen mag leicht aussehen ist aber trotzdem eine hohe Kunst!

Am einfachsten und für Breitensportler vollkommen ausreichend ist die Bestimmung des Wachs über die Schneetemperatur. Mittels einem Schneeoberflächenthermometer misst man die Schneetemperatur direkt unter der Oberfläche und im Körperschatten. Anhand der Wachstabelle kann danach die Wachswahl getroffen werden.

Über ein Strukturgerät können verschiedene Belagsstrukturen auf den Ski gebracht werden. Je nachdem welche Schneesituation gerade vorliegt, braucht der Ski mehr oder weniger Struktur.

# 3 Wahl der Belagsstruktur

Ist der Schnee alt oder nass eignet sich eine strukturierte Lauffläche besser. Reibungspunkte werden durch Lufträume zwischen der Lauffläche und dem Schnee reduziert und verhindern den „Saugeffekt“.  Liegt Neuschnee fährt man in der Regel mit einer Lauffläche die so glatt wie irgend möglich ist. Die Reibungspunkte werden so, so gering wie möglich gehalten.

Ohne entsprechendes Equipment geht es aber doch nicht. Ein StarterKit ist in der günstigsten Ausführung ohne Strukturgerät für rund 350 Franken erhältlich. Zu Anfang mag das ein stolzer Betrag sein. Wenn man aber bedenkt, dass man sich damit auf lange Sicht den ständigen Weg ist Fachgeschäft spart und auch sonst höchstens noch den Wachs nachkaufen muss, spart man eine Menge Geld! Den Spassfaktor mal noch nicht mit eingerechnet.

# 4 Wachsausrüstung

Alles was du brauchst, findet so zu sagen in einer kleinen Kiste platz!

  • Alter ausrangierter Tisch
  • Einspannvorrichtung für Langlaufskis
  • Waxremover und Base Tex
  • Wachsgerät oder altes Bügeleisen mit Temperaturanzeige
  • Plexiglasklinge und Groove Pin
  • Nylon- und Kupferbürste
  • Mittelhartes, ökologisches HydroCarbon Wax und All-in-one Hot Wax
  • ggf. Strukturgerät

Mir macht das Wachsen all meiner Skier immer wahnsinnig viel Spass. Da kann ich dem Burschikosen in mir freien Lauf lassen. In Winterträumen mit Unmengen frischem Powder und grandiosen Loipen versinken und meine „Arbeit“ geniessen.

Der Geruch von heissem Skiwachs katapultiert mich immer schlagartig zurück in meine Kindheit und Jugendzeit. An Abende im Skikeller, wenn mein Patenonkel meine Rennski präpariert hat. Die Kanten haben ihren letzten Schliff erhalten, der Belag wurde frisch gewachst, es wurden letzte gute Ratschläge vom Fachmann erteilt.

Es war faszinierend zusehen, wie er zielsicher nach allen Messungen, Hochrechnungen und mit viel Erfahrung stets den richtigen Wachs gewählt hat. Mit Leidenschaft und Können wurden die Alpinskier damals getuned. Das alte Kofferradio hing über der Wachsstation, wenn wir Glück hatten, lief gerade eine Rennübertragung von einem Skirennen in Amerika oder Kanada. Dazu der Geruch von frischem, heissen Skiwachs. Einfach herrlich und schlicht unvergesslich!

Irgendwann nachdem meine Skikarriere ein abruptes Ende fand und ganz nach dem Motto „Selbst ist die Frau“ habe ich das Eisen geschwungen. 

Im nächsten Teil der Serie {DIY} LANGLAUFSKI PRÄPARIEREN geht es ab in den Skikeller. Ich zeige euch, wie ihr die Langlaufski fahr- und vor allem gleitfähig macht.

Ana

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