OPEN WATER SWIMMING

Jede Triathletin und jeder Triathlet kennt es, das Schwimmen im See, Meer oder Fluss während eines Wettkampfes. Einige stören sich nicht daran, Andere haben geradezu Angst vor dem Freiwasserschwimmen. Ich für meinen Teil mag es gerne. Zumindest nach einer ersten Eingewöhnungszeit im Frühjahr. Die ersten paar Mal im offenen Gewässer, gleich zu Anfang der Saison sind schon eher ungewohnt. Die Sicht ist anders, das Wasser schmeckt anders und die Wellen verursachen manchmal leichte Übelkeit.

nikaMit Nika Kozamernik und Martin Hohl von SWIMHOHLIC hat sich unser Triathlonverein in Sachen Schwimmen zwei richtige Cracks an Board geholt. Sie glänzen mit Fachwissen in sämtlichen schwimmspezifischen Bereichen und vermitteln in zahlreichen Trainings klar und verständlich worum es beim Schwimmen geht! Nika ist zudem eine echte Open Water Spezialistin. Sie ist als ehemalige Profischwimmerin des slowenischen Nationalteams eine der zehn besten Freiwasserschwimmerinnen der Welt. Ihre Teilnahmen an sechs Weltmeisterschaften und unzähligen Europameisterschaften, Weltcups und anderen internationalen Wettkämpfen auf Distanzen von 5 bis 25 Kilometern können sich sehen lassen! Nach einer Verletzung hat ihre aktive Karriere ein jähes Ende genommen und so kommt es, dass Triathleten und Open Water Schwimmer heute von ihrer Trainertätigkeit und ihrem Wissen als Open Water Expertin profitieren können.

Vor einiger Zeit war Nika so lieb, mir einige Fragen zum Training, Material, den Voraussetzung und anderen wissenswerten Dingen im Zusammenhang mit dem Open Water Schwimmen zu beantworten.

Als erstes hat mich natürlich Nika als Profiathletin interessiert. Sie erzählte mir, dass sie bereits als Kind jeden Sommer im kroatischen Meer mit Freunden geplanscht hat oder geschwommen und getaucht ist. „In Kroatien gibt es sehr viele Schwimmmarathons, über kurze Distanzen von 1 Kilometer bis hin zu Distanzen von 16 Kilometern. Da war es also fast selbstverständlich, dass ich als Schwimmerin, die in einem Klub trainiert hat, auch an diesen kleinen Wettkämpfen teilgenommen habe.“
Den ersten Wettkampf im Open Water hat Nika über eine Distanz von 800 Metern zurück gelegt. Und von da an „waren es immer längere Distanzen, bis ich meinen ersten richtigen Marathon auf der Insel Hvar mit einer Länge von 16 Kilometern absolviert habe. Damals war ich 15 Jahre alt.“

Die Faszination der freien Gewässer üben auf Nika eine magische Anziehungskraft aus „ich geniesse die Freiheit, die es beim Schwimmen im Hallen- und Freibad nicht gibt. Die Wellen, die schöne Natur und die unterschiedlichen Wassertiere (ausser Quallen, die mag ich nicht so) faszinieren mich und tragen zu erlebnisreichen Momenten im Open Water bei. Innerhalb eines Wettkampfes ist es die Taktik, die das Freiwasserschwimmen zu etwas besonderem macht. Im Hallen- oder Freibad schwimme ich Bahn um Bahn gegen die Uhr und ohne direkten Kontakt mit meinen Gegnern. In Open Water Wettkämpfen muss man bedeutend schneller reagieren und flexibler sein als auf der Bahn. Die Distanzen sind länger, was vor allem bedeutet, dass die Kräfte exakt eingeteilt werden müssen. Ausserdem spielt die Ernährung im Schwimmmarathon eine grosse Rolle!“

nika im see 2

Als nächstes wollte ich wissen ob man als Open Water SchwimmerIn denn nur noch im Freiwasser trainiert? „Nein, oder ich zumindest nicht. Mein Haupttraining hat immer im Hallen- und/oder Freibad statt gefunden. Dort konnte ich unter kontrollierten Bedingungen schwimmen. Die Distanz ist immer gleich und es fällt leichter zu kontrollieren wie schnell man schwimmt und ob alles nach Plan verläuft. Trainings in freien Gewässern habe ich eher zur Vorbereitung auf wichtige Wettkämpfe absolviert. Bei diesen Trainingseinheiten lag der Fokus jeweils darauf mich an die Navigation im Meer, die Wellen und das Salzwasser zu gewöhnen.“

Es wird immer wieder über die Gefahren beim Freiwasserschwimmen informiert. Allgemein gilt die Empfehlung auffällige Badekappen zu tragen wenn man im Open Water schwimmt, in Ufernähe zu bleiben und sich vor Schwimmbeginn die geplante Strecke genau einzuprägen. Nika geht einen Schritt weiter und informiert mich noch detaillierter zum Thema. „Im Freiwasser steht die Sicherheit der SchwimmerInnen immer an erster Stelle. Aus meiner Sicht ist es enorm wichtig mit gesundem Menschenverstand (common sense) zu schwimmen. Es ist enorm wichtig ein Bewusstsein für die Umgebung im Wasser zu entwickeln. Wellengang und Strömungen können unterschiedlich stark sein, die Wassertiefe ist nicht über all gleich und nicht zu vergessen, als SchwimmerIn in offenen Gewässern ist man nicht alleine. Besonders gefährlich ist dabei der Schiffsverkehr. „

Du empfiehlst, immer mindestens zu zweit im See, Meer oder Fluss zu schwimmen oder sogar als ganze Gruppe „noch besser ist es, wenn man sich von einem Boot begleiten lässt oder eine, extra für SchwimmerInnen entwickelte Boje mit nimmt. Diese hat den Vorteil, dass die Person im Wasser besser sichtbar wird und sich auf langen Strecken, falls nötig kurz auf der Boje ausruhen kann. Ausserdem sind viele dieser Bojen so konzipiert und entwickelt, dass sie wasserdicht sind und wichtige Gegenstände darin mitgeführt werden können.“ Die Vorteile beim Schwimmen in der Gruppe liegen für mich klar auf der Hand, die der Boje ebenfalls und ich werde mir sicher überlegen, ein solches Hilfsmittel für die Trainings anzuschaffen. Sollte mal etwas sein, ist man nicht alleine oder nur zu zweit und kann sich so aus der Klemme helfen. Weitere Gefahren im Freiwasserschwimmen und besonders bei langen Strecken sind laut Nika „die Wassertemperatur. Ist sie zu niedrig und der Körper zu wenig geschützt, kann es zu einer Unterkühlung kommen. Die betroffenen Schwimmer verlieren ihren Gleichgewichtssinn, können nicht mehr richtig koordinieren und es bilden sich Krämpfe. Noch gefährlicher ist allerdings die Hyperthermie, also Überhitzung. Diese bildet sich durch warmes Wasser und warme Aussentemperaturen.“

Bei mir kann ich zu Anfang der Saison beobachten, dass ich im See beispielsweise nicht gleich schwimme wie auf der Bahn, ich frage mich daher ob es möglich ist, dass sich der Schwimmstil verändert, sobald man ohne Mauern, Seile und Fliesen schwimmt?! „Grundsätzlich eigentlich nicht“ ist die klare Antwort von Nika. Man sollte so schwimmen wie man es gewohnt ist, deshalb ist es sinnvoll bereits im Hallen- oder Freibad das richtige und energiesparende Kraulen zu automatisieren. Was sich allerdings deutlich verändert ist der Orientierungsblick. Während der Kopf auf der Bahn ausschliesslich zur Seite gedreht wird um Luft zu holen, muss im Open Water zwingend auch nach vorne geschaut werden.“ Die korrekte Atmung beim Freiwasserschwimmen kann im Video von Nika und Martin von Swimhohlic angesehen werden.

Ab gewissen Temperaturen darf oder muss mit Neoprenanzug geschwommen werden. Den richtigen zu finden ist eine Krux, darin zu schwimmen erst mal ungewohnt, aber durchaus angenehm „ein Neoprenanzug verbessert die Wasserlage, die durch den reduzierten Beinschlag schlechter wird, die Meisten versuchen so, bessere und längere Gleitphasen zu erreichen um Energie zu sparen. Dann jedoch ist es wichtig, mit einem konzentrierten und guten Armzug zu schwimmen und kraftvoll zu ziehen.“

Zu guter Letzt wollte ich von Nika noch wissen, was sie uns Schwimmerinnen und Schwimmern für die kommende Open Water- und Triathlonsaison mit auf den Weg geben kann, ihre Antwort war klar und deutlich: „Übung macht den Meister :-)! Effiziente Trainingseinheiten auf der Bahn und ab Frühjahr auch im See, Meer oder Fluss. Keine Scheu haben, immer wieder Neues auszuprobieren, bis die optimale Taktik gefunden ist. An kleineren Wettkämpfen, in denen es vielleicht ausschliesslich ums Schwimmen geht, die Gegner kennen lernen und ein Gefühl dafür entwickeln wie man diese am Besten einschätzt.“ Ausserdem empfiehlt Nika eine gute Ausrüstung. Dazu gehören mitunter ein passender und bequemer Neopren, ein gut sitzender Badeanzug oder Tri-Suit und nicht zu letzt eine Schwimmbrille die optimale Sichtmöglichkeiten bietet.

Ich für meinen Teil möchte mich erst mal ganz herzlich bei Nika Kozamernik für das ausführliche Interview und all die interessanten und lehrreichen Antworten auf meine Fragen bedanken! Ich wünsche ihr, dass sie weiterhin so erfolgreich im Schwimmsport tätig sein kann und mir als Triathletin- und Schwimmerin noch lange zur Verfügung stehen wird!

Meine nächsten Open Water Abenteuer werde ich mit Hilfe all dieser Informationen und der tollen Übersicht auf der Aquamap sicher besser planen und strukturieren können! Ich jedenfalls kann es kaum erwarten, bis unsere Seen warm genug sind für ein erstes Training im Freien! Privilegiert wie ich bin, wohne ich unweit von zahlreichen grösseren und kleineren Seen.

Übrigens, vom 10. bis 12. Juli 2015 finden in Tenero, im sonnigen Tessin die LEN Junior Open Water Swimming Championships statt.


© Die Rechte der in diesem Beitrag gezeigten Bilder liegen bei Nika Kozamernik. Eine Wiederverwendung der Bilder ist nur nach Absprache mit der Bildbesitzerin möglich.

Ana

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6 thoughts on “OPEN WATER SWIMMING

  1. Hallo, Ana, hier mein Gegenbesuch, siehst sehr flott und sportlich aus.

    Beim Schwimmen kann ich auch mitreden, da ich früher selbst Leistungsschwimmern betrieben habe, bis es mir zu anstrengend war, da ich überhaupt kein Wettkampftyp bin, aber wenn ich schon schwimme, dann am liebsten im Becken, noch lieber, wenn das Becken leer ist, leider passiert das nicht oft.

    Ich mag keine Seen, weil das Wasser oft riecht, weil man nichts sehen kann, weil es oft genug Schlingpflanzen gibt und und und, auch im Meer schwimme ich nicht gerne länger, einfach so zur Freude ja, aber nicht allzu lange, zu salzig, zu bewegt.

    Viel Spaß – im übrigen hätte mich Triathlon auch interessiert, es war mir zu aufwändig, zumal ich mich dem Laufen mit ganzem ♥ verschrieben habe, dennoch schwimme ich und fahre sehr gerne mit dem Fahrrad – nebenher !!

    Sonnige Grüße von der Ostsee !! 😎

  2. Das sind wirklich großartige Tipps und ich fand es richtig spannend das Interview zu lesen. Ich selbst schwimme auch sehr viel draußen und liebe es. Zu schade, dass man es nicht das gesamte Jahr machen kann. Aber auch ich finde die kontrollierte Art im Hallenbad optimal, um genaue Pläne verfolgen zu können.

    1. Freut mich, dass dir der Beitrag gefallen hat! Es ist spannend sich mit Nika übers Schwimmen zu unterhalten. Noch viel spannender ist es aber ihr dabei zu zusehen! Bald, wenn das Hochwasser wieder weg ist, werde ich meine ersten Runden im See drehen! Bis dahin muss ich mich halt noch gedulden! Sollte das Wetter aber besser werden, könnte ich mir vorstellen, dass ich schon mal einen Sprung ins Freibad wage! Ich hoffe du bist gut in Mallorca (?war es doch oder?) angekomen! Bist du in ein Trainingslager gereist?

      1. Ja. Hier läuft es ganz gut. Ich akklimatisiere mich noch etwas…

        Sobald ich dann zu Hause bin, probiere ich den alten Baggersee. Der ist irre kalt, das geht Neo sogar im Hochsommer. Alternativ muss ich auch ins Freibad. Mal schauen.

        Ich hoffe auch, dass ich mal wieder bei einem Schwimm-WK zuschauen kann. Ist immer so motivierend.

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